Es gibt Momente, in denen ein einzelner Schritt eines einzelnen Unternehmens eine ganze Branche zwingt, sich zu fragen: Warum haben wir das nicht längst gemacht?
Anfang Mai 2026 war so ein Moment. Pandora präsentierte am Global Fashion Summit in Kopenhagen eine Neuerung, die auf den ersten Blick klein klingt — und auf den zweiten alles verändert: das fünfte C.
Jeder im Schmuckhandel kennt die vier C. Cut, Colour, Clarity, Carat. Jahrzehntelang das einzige Urteil über einen Diamanten. Objektiv, messbar, international anerkannt. Pandora hat dieses System um eine fünfte Kennzahl erweitert: den CO₂-Fußabdruck.
Ab sofort steht auf pandora.net neben jedem Labordiamanten der Carbon Footprint — nicht als Marketingaussage, sondern als konkrete Zahl. Für einen Einkaräter: 12,58 Kilogramm CO₂e. Das sind laut Pandora rund 90 Prozent weniger als bei einem abgebauten Naturdiamanten vergleichbarer Größe.
Mehr als ein PR-Move
Nachhaltigkeit ist in der Schmuckbranche kein neues Thema. Fairtrade-Gold, RJC-Zertifizierungen, recycelte Edelmetalle — die Versprechen sind zahlreich, und ehrlich gesagt auch unübersichtlich. Was Pandora jetzt macht, ist etwas anderes: Es macht Nachhaltigkeit vergleichbar.
Wer einen Labordiamanten kauft, wusste bisher: Er ist irgendwie grüner als ein Minen-Diamant. Ungefähr. Pandora sagt nun: Hier ist die Zahl. Rohmaterial bis zur fertigen Politur, alles eingerechnet. CEO Berta de Pablos Barbier bringt es auf den Punkt: Der Kunde soll in die Lage versetzt werden, eine informierte Entscheidung zu treffen. Nicht eine moralisch richtige. Eine informierte.
Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Die Richtung ist gesetzt
Pandoras Schritt steht nicht allein. Tracr, das Blockchain-Projekt von De Beers, arbeitet an lückenloser Herkunftsnachverfolgung. Der Responsible Jewellery Council verschärft seine Standards. Und am 8. Juli 2026 trifft sich die internationale Branche beim Sustainable Jewellery Day in Pforzheim, um genau diese Fragen zu diskutieren: Wie wird Transparenz konkret? Wer setzt die Standards? Und wer kommt mit?
2025 entschieden sich bereits 61 Prozent der Paare beim Verlobungsring für einen Labordiamanten. Der Vergleich zwischen natürlichem und synthetischem Stein ist längst Alltag im Verkaufsgespräch — und die Fragen werden konkreter. Pauschale Antworten verlieren an Wirkung, je mehr große Anbieter mit Zahlen in den Markt treten.
Das fünfte C ist eine kleine Zahl auf einer Produktseite. Aber es ist auch ein Signal: Die Zeit der vagen Versprechen läuft ab. Wer die Fragen seiner Kunden besser beantwortet als die Konkurrenz, hat gewonnen — das war im Schmuckhandel schon immer so.