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Labordiamanten im Fachgeschäft: Chance, Risiko oder unausweichliche Realität?

Vor drei Jahren war es ein Randthema. Vor zwei Jahren eine Diskussion auf Messen. Heute ist es eine Zahl, die kaum zu ignorieren ist: 61 Prozent der Verlobungsringe, die in den USA 2025 verkauft wurden, enthielten einen Labordiamanten als Hauptstein.

Zum Vergleich: 2019 waren es 12 Prozent.

Wer glaubt, das sei ein amerikanisches Phänomen, sollte die Zahlen aus dem deutschsprachigen Raum prüfen. Auf der Inhorgenta 2025 war klar erkennbar: Der Labordiamant ist in der Branche angekommen. Und die Frage lautet nicht mehr, ob er sich durchsetzt – sondern wie Juweliere damit umgehen.

Was ein Labordiamant ist – und was er nicht ist

Der hartnäckigste Mythos in der Branche: Labordiamanten seien «nicht echt». Das ist chemisch falsch. Gemmologen sind sich einig, dass auf molekularer Ebene kein Unterschied zwischen einem Minendiamanten und einem Labordiamanten besteht. Beide bestehen aus reinem Kohlenstoff in der Diamantstruktur. Der Unterschied liegt ausschliesslich im Ursprung.

Was sich unterscheidet: Preis, Verfügbarkeit, Herkunftstransparenz – und die emotionale Wahrnehmung.

Labordiamanten sind günstiger. Deutlich günstiger. Ein Einkaräter, der als Minendiamant 5.000 Euro kostet, ist als Labordiamant für einen Bruchteil erhältlich. Das macht Grössen zugänglich, die bisher für viele Kunden ausserhalb der Möglichkeiten lagen.

Und genau das ist der Punkt, der den Markt verändert.

Wer kauft Labordiamanten – und warum ?

Es sind vor allem jüngere Käufer, die den Wandel antreiben. Generation Z und Millennials, die Verlobungsringe planen, vergleichen aktiv. Sie recherchieren auf Social Media, lesen Testberichte, fragen explizit nach der Herkunft von Steinen.

Für diese Käufergruppe ist die Entscheidung für einen Labordiamanten oft keine Kompromissentscheidung – sie ist eine bewusste. Wer einen 1,5-Karäter aus dem Labor kaufen kann, anstatt einen 0,5-Karäter aus dem Minenabbau, trifft eine informierte Wahl. Und wer gleichzeitig sicher sein kann, dass der Stein ohne Konfliktressourcen entstanden ist, sieht das als Vorteil, nicht als Einschränkung.

Das bedeutet nicht, dass Minendiamanten keine Zukunft haben. Seltene, zertifizierte Steine mit klarer Herkunft und aussergewöhnlicher Qualität haben weiterhin einen eigenen Markt – und eine eigene Geschichte, die kein Labor reproduzieren kann. Aber der Massenmarkt verschiebt sich. Und diese Verschiebung ist nicht vorübergehend.

Was De Beers verrät

Wer die Signale aus der Industrie lesen will, schaut auf De Beers. Der grösste Diamantproduzent der Welt hat 2025 seine Produktion um 12 Prozent reduziert. Im vierten Quartal lag der Rückgang sogar bei 35 Prozent. Anglo American, Mutterkonzern von De Beers, schrieb den Unternehmenswert im Februar 2026 um weitere 2,3 Milliarden US-Dollar ab.

Als offizielle Gründe nannte das Unternehmen: niedrigere Preisannahmen, schwächere Nachfrage – und eine stärkere Verschiebung zwischen natürlichen und im Labor erzeugten Diamanten.

Das ist keine kleine Kursbewegung. Das ist ein strukturelles Signal.

Die Frage, die viele Juweliere vermeiden

Rund 65 Prozent der befragten Juweliere in einer österreichischen Branchenumfrage gaben an, das Geschäft mit Labordiamanten sei «nichts für sie». Die häufigste Begründung: Skepsis gegenüber einer möglichen Vermischung beider Segmente.

Diese Haltung ist verständlich. Wer jahrelang in die Qualität und den Ruf von Naturdiamanten investiert hat, möchte dieses Profil nicht verwässern. Das ist eine legitime unternehmerische Entscheidung.

Aber sie hat einen Preis: Kunden, die aktiv nach Labordiamanten fragen, gehen weiter. Online, zur Konkurrenz, zu Anbietern, die keine persönliche Beratung bieten – aber die Frage nicht ausweichen.

Die Alternative ist nicht, Minendiamanten aufzugeben. Sie ist, beides anzubieten und Kunden kompetent zu begleiten. Wer transparent über Unterschiede informiert, wer Vor- und Nachteile beider Optionen ehrlich benennt, stärkt seine Position als Fachberater – unabhängig davon, was der Kunde am Ende wählt.

Zertifizierung: Was sich verändert hat

Ein wichtiger Hinweis für Juweliere, die Labordiamanten ins Sortiment aufnehmen oder aufgenommen haben: Die Zertifizierungslandschaft hat sich 2025 und 2026 deutlich verändert.

Das GIA – traditionell der wichtigste Zertifizierer der Branche – hat im Oktober 2025 aufgehört, individuelle 4C-Bewertungen für Labordiamanten auszustellen. Stattdessen werden nur noch zwei breite Kategorien vergeben. Das bedeutet weniger Detailtiefe für Käufer.

HRD Antwerp hat die Zertifizierung loser Labordiamanten im Januar 2026 komplett eingestellt.

Das IGI (International Gemological Institute) ist aktuell der einzige grosse Zertifizierer, der Labordiamanten noch nach den vollständigen 4C bewertet. Wer Labordiamanten verkauft und eine detaillierte Zertifizierung anbieten möchte, sollte das im Blick haben.

Was das für die Artikelverwaltung bedeutet

Labordiamanten bringen eine neue Anforderung mit: klare Kennzeichnung und lückenlose Dokumentation. In Deutschland und Österreich ist die Kennzeichnungspflicht eindeutig – Labordiamanten müssen als solche ausgewiesen werden, in Preisschildern, Rechnungen und Zertifikaten.

Wer Labordiamanten ohne klare Artikelstammdaten führt, riskiert Verwechslungen – und im schlimmsten Fall rechtliche Konsequenzen. Transparenz ist hier keine Kür, sondern Pflicht.

Fazit: Keine Frage mehr des «Ob», sondern des «Wie»

Der Labordiamant ist kein Übergangstrend. Er ist struktureller Bestandteil eines Marktes, der sich verschiebt. Juweliere, die das früh erkennen und klug positionieren, können profitieren. Wer wartet, überlässt das Feld anderen.

Was bleibt, ist die Stärke des Fachgeschäfts: persönliche Beratung, Kompetenz, Vertrauen. Kein Online-Anbieter ersetzt das Gespräch, in dem ein Juwelier erklärt, was hinter einem Stein steckt – ob er aus der Erde kommt oder aus dem Labor.

Aber dieses Gespräch muss geführt werden. Wer es vermeidet, verliert es.

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